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Ich habe immer einen Plan B. Und dann noch einen weiteren.

Logistikprofi der Stars

Sebastian Duellmann hat gleich vier Jobs: er ist Tour Manager, Production Manager, Stage Manager – und ganz nebenbei Buchhalter, wenn große Bands auf Tournee gehen. Seit 17 Jahren ist er mit bekannten Namen von Scooter bis Tom Jones unterwegs und hat Shows in ganz Europa und Russland betreut. Ein Gespräch über Plan C und die Herausforderungen in der Tourneelogistik.

Sebastian Duellmann – Hand aufs Herz: Wie viele Pläne B hat man im Gepäck, wenn man auf Tour geht?

Ich habe immer einen Plan B in der Tasche. Und dann noch einen weiteren, der spontan rausgeholt wird. Oft ist es so, dass der erste Plan B, den man sich vorher gemacht hat, vor Ort nicht wirklich passt. Dann, wenn die Situation vor Ort doch auf einmal ganz anders ist als gedacht.

 

Wie viele Monate Arbeit stecken denn in 4 Wochen Tournee?

Das kommt auf die Größe beziehungsweise den Aufwand der Produktion an. Und darauf, wo man hin muss auf dieser Welt. Es gibt Orte, da weiß man schon im Voraus, dass es nicht wirklich einfach werden wird. Zurzeit bereite ich eine Europa-Tour vor, die im Winter 2018 stattfindet. Die geht 7 1/2 Wochen am Stück. Das erste Meeting dazu habe ich im April 2017 geführt. Von diesem Zeitpunkt an plane ich jeden Tag immer etwas mehr, um dann alles beisammen zu haben, was man an Vorbereitung so machen kann. Der Rest passiert vor Ort.

 

Was ist das für ein Gefühl, wenn das Licht ausgeht und Tausende bejubeln den Star? Aber keiner die, die es hinter den Kulissen möglich gemacht haben?

Wenn der Künstler nach der Show bejubelt wird, ist das auch ein Zeichen dafür, dass wir einen guten Job gemacht haben. Wir sind Dienstleister in dieser Branche und unser Job ist es, dass hinter den Kulissen alles zu 100 % läuft. Nur dann kann der Künstler auch eine gute Show hinlegen.

 

Was ist der beste Moment: Wenn alles steht? Oder wenn alles wieder abgebaut wird?

Ein sehr guter und beruhigender Moment ist es, wenn eine Produktion auch in der Umsetzung funktioniert und nicht nur auf dem Papier!

Heute München, morgen Mailand. Da wartet nicht nur ein anderes Publikum auf denselben Künstler, sondern auch andere technische Rahmenbedingungen. Wie schafft man es, von einem Abend auf den anderen umzudenken?

Man muss versuchen, aus der gewünschten Produktion eine Multi-Produktion hinzubekommen. Also einmal in voller Größe und einmal als kleinere Variante. Und das, ohne dass die Kosten komplett aus dem Ruder laufen. Dafür benötigt man ein gewisses Grundwissen und Erfahrung. Das geht nicht von heute auf morgen.

 

Wann ist das letzte Mal etwas richtig schief gegangen?

Gerade vor zwei Wochen ist uns auf dem Weg nach Bulgarien die Zugmaschine eines Trucks abgeraucht. Das war kein Spaß, da er auf dem direkten Wege zu einer großen Show war. Versuche mal, mitten in der Nacht in Bulgarien einen Service zu bekommen. Da wird es einem schon etwas anders.

 

Und was macht einem am ehesten einen Strich durch die Rechnung? Das Technische? Das Logistische? Oder das Menschliche?

Alle drei. Wenn die Crew nicht funktioniert oder die Trucks nicht rechtzeitig ankommen oder Technik kaputtgeht, zieht sich das durch den ganzen Ablauf. Das kann und wird aber auf einer Tour passieren. Damit umzugehen, das kann nicht jeder. Immerhin sprechen wir hier von einer „Reisegruppe“ von bis zu 100 Personen und über eine Handvoll Trucks und Busse. Das ist schon ein erheblicher Aufwand.

 

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Sebastian Duellmann