„Ich lebe in zwei welten“

Merit Buama hat ihr Leben der Schokolade verschrieben: Die 32-Jährige pflegt für die Alfred Ritter GmbH & Co. KG Kontakte zu Kakaobauern in Westafrika. Sechs Jahre hat sie selbst in Ghana gelebt. Im Gespräch erzählt sie, warum sie den deutschen Nahverkehr dem ghanaischen Totenkult vorzieht und verrät, von welcher Schokolade sie nicht die Finger lassen kann.

Frau Buama, essen Sie berufsbedingt gerne Schokolade?
Ich esse nicht nur sehr gerne Schokolade, sie ist schon fast ein Grundnahrungsmittel. Besonders gern mag ich die neue Kakaoklasse-Sorte DIE MILDE 55 % – der Kakao stammt nämlich aus Ghana.

Was sind Ihre Aufgaben als Programmmanagerin Westafrika bei Ritter Sport?
Meine Aufgaben sind vielfältig, das finde ich klasse. Besonders inspirierend sind die Besuche vor Ort bei unseren Partnern und der strategische Austausch mit meinen Kollegen, wie wir unsere Lieferketten gestalten. Es ist eine Herausforderung, die Brücke zwischen den Kakaobauern und Ritter zu schlagen. Ich bewege mich zwischen zwei Welten.

Sie kennen die „andere Welt“ besser als viele andere …
Das stimmt. Ich habe sechs Jahre lang in Ghana gelebt. Ich reise nach wie vor oft nach Westafrika. Mein Lebensmittelpunkt liegt momentan aber wieder in Deutschland. So lernen meine Kinder auch diesen Alltag kennen. Das Leben hier empfinde ich nach den Jahren in Afrika als sehr unkompliziert. Ich schätze die effizienten Behörden, die Pünktlichkeit und das gute öffentliche Verkehrssystem. Ghana ist wunderschön, die Menschen sind freundlich, offen und hilfsbereit. Das Leben findet viel auf der Straße statt. Schwer getan habe ich mich nur mit der tief verwurzelten Religiosität und dem Beerdigungskult. Durch Toleranz, sowohl meinerseits als auch seitens meines ghanaischen Umfelds für meine Andersartigkeit, konnte ich mich aber gut integrieren.

Merit Buama

 

1987: Geboren in Norddeutschland
2005: Einjähriger Freiwilligendienst in Ghana
2006 – 2012: Studium der Wirtschaftswissenschaften und Agrarökonomik
ab 2012: Tätigkeit in einem regionalen Kakaoprogramm in Westafrika bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)
seit 2018: Programmmana­gerin Westafrika bei Ritter Sport

Merit Buama zu Besuch bei den Kakaobauern

Was bedeutet es für einen Kakaobauern, Lieferant für ein Unternehmen wie Ritter zu sein?
Einen Abnehmer wie Ritter zu haben, bedeutet für die Bauern wirtschaftliche Sicherheit. Es erlaubt ihnen, in ihre Kakaobetriebe zu investieren. Gleichzeitig profitieren sie von unseren spezifischen Programmen – zum Beispiel zu Themen wie Produktivität, Qualität oder umweltfreundlicher Kakaoanbau. Wir arbeiten mit Kooperativen zusammen, da diese in der Lage sind, die benötigten Mengen zu liefern und die Qualität der Bohnen sicherzustellen. Wann immer ich unsere Partner besuche, bringe ich übrigens Ritter-Produkte mit, weil die Bauern selbst kaum Schokolade essen. Uns ist wichtig, dass die Bauern wissen, was mit ihrem Kakao passiert und wer Ritter ist.

Über Afrika wird oft so gesprochen, als wäre es ein Land und kein Kontinent mit 55 Staaten (inklusive der nur teilweise anerkannten Westsahara). Wie bewerten Sie das?
Ich kenne nicht den gesamten Kontinent, da ich mich hauptsächlich in Westafrika bewege mit kurzen Abstechern nach Nordafrika und Äthiopien. Westafrika gilt für afrikanische Verhältnisse als dicht besiedelt, ist wirtschaftlich aktuell sehr dynamisch – Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria als eine der größten Volkswirtschaften Westafrikas sowieso. Auf dem gesamten Kontinent gibt es unglaublich viele Sprachen, ethnische Gruppen und sehr unterschiedliche politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen. Mir ist wichtig, dass zwischen den Ländern differenziert wird. Selbst die Nachbarländer Ghana und Elfenbeinküste sind sehr unterschiedlich in ihrer Geschichte, Politik und Wirtschaft. Ghana mit Rwanda über einen Kamm zu scheren wäre wie Spanien und Russland gleichzusetzen. Nur über einen genauen Blick wird man den örtlichen Gegebenheiten gerecht und kann die Potenziale für eine Zusammenarbeit nutzen.

Welchen großen Herausforderungen müssen sich Unternehmen wie Ritter oder LAPP bei der ­Erschließung des afrikanischen Marktes stellen?
Politische Stabilität, vorhandene Infrastruktur und vertrauensvolle, enge Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort sind für mich der Schlüssel für eine erfolgreiche Erschließung. Ebenfalls ist es wichtig, von Anfang an mit einheimischem Personal zu arbeiten, das sich auskennt. Und auch mit Praktika und Berufsausbildungen in den lokalen Nachwuchs zu investieren, um sich mittelfristig gutes Stammpersonal aufzubauen.

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Mehr Informationen über Merit Buama gibt es in ihrem Blog:

ritter-sport/blog

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit bei Ritter gibt es unter:

ritter-sport